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Folter und falsche Geständnisse in Island: BKA muss endlich Verantwortung übernehmen

19770123 tatrekonstruktion polizei island„Das Bundeskriminalamt muss sich seiner Verantwortung für den größten Justizskandal in Island stellen. Unter Leitung eines deutschen Kommissars und unter Nutzung forensischer Labore in Wiesbaden wurden sechs Menschen als angebliche Mörder präsentiert und anschließend viele Jahre unschuldig eingesperrt. Die Bundesregierung darf nicht länger abwarten und muss der isländischen Regierung Hilfe bei der Aufklärung ihrer Mitschuld anbieten“, fordert der europapolitische Sprecher der Linksfraktion im Bundestag, Andrej Hunko nach einer Auskunft des Bundesinnenministeriums.

Sechs isländische Staatsangehörige wurden in 1977 wegen zweifachen Mordes bzw. Beihilfe zu langen Haftstrafen verurteilt. Die Ermittlungen erfolgten unter Leitung des früheren BKA-Kommissars und Leiters der „Sicherungsgruppe Bonn“, Karl Schütz. Vor einem Jahr wurden die Verurteilten schließlich nachträglich freigesprochen und rehabilitiert. Ihre erpressten Geständnisse erwiesen sich über 40 Jahre später als falsch.

Andrej Hunko weiter:

„Die Bundesregierung bestätigt die intensive Unterstützung des BKA bei den Verurteilungen. Eine Schlüsselrolle spielten der damalige BKA-Präsident Horst Herold und der Staatssekretär Siegfried Fröhlich. Alle beteiligten deutschen Polizisten und Angehörige des Innenministeriums wurden nach den Verurteilungen mit den höchsten isländischen Orden ausgezeichnet. Ich appelliere an die noch lebenden Beamten und die Familien der Verstorbenen, diese Auszeichnungen zurückzugeben.

Die britische BBC nennt den Fall einen der schockierendsten Fehlschläge der Justiz, den Europa je gesehen hat. Laut dem isländischen Forensik-Experten Gísli Guðjónsson haben erst die BKA-Vernehmungsmethoden zu den falschen Geständnissen geführt. Den Inhaftierten wurden hypnotische Drogen verabreicht, Berichte dokumentieren außerdem Waterboarding und Nötigung. Drei Verdächtige mussten über 600 Tage Isolationshaft ertragen. 

Die Bundesregierung muss die Betroffenen und ihre Angehörigen deshalb für die Folter und die falschen Verurteilungen entschädigen. Das betrifft auch die beiden Fälle, in denen die Betroffenen nunmehr verstorben sind.“

Download der Antwort auf die Kleine Anfrage  „Unterstützung des Bundeskriminalamtes bei falschen Geständnissen in isländischen Mordermittlungen“: https://www.andrej-hunko.de/start/download/dokumente/1349-unterstuetzung-des-bundeskriminalamtes-bei-falschen-gestaendnissen-in-islaendischen-mordermittlungen 

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